CHR verliert seine Kernhörer schneller als jedes andere Format. Die Nielsen-Zahlen sind nicht mehr zu leugnen.
- Samuel Zniber
- vor 15 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Ausgerechnet das Format, das komplett für junge Hörer gebaut ist, verliert sie am schnellsten. Das ist kein Zufall.
7. März 2026
Nielsens erstes vollständiges Jahr mit PPM-Daten unter dem Drei-Minuten-Kriterium kam im Februar 2026 – und es enthielt einen Befund, der auf dem Schreibtisch jedes CHR-Programmchefs liegen sollte. Contemporary Hit Radio, das Format, das genau dafür existiert, die 18- bis 34-Jährigen zu gewinnen, lag bei genau dieser Zielgruppe im Jahresvergleich 7 % im Minus. Bei den 25- bis 54-Jährigen 8 % im Minus. Das Format, das komplett um junge Hörer herum gebaut ist, verliert sie unter allen Musikformaten am schnellsten. Das ist keine Hörerwanderung. Das ist ein strukturelles Problem.
Irene Hulme war Head of Content bei Hit 107 und Classic Triple M in Australien und hat CHR-Sender aus erster Hand geführt. Ihre Analyse von 2025 benennt den Mechanismus unverblümt. Chartmetric bestätigte: 2025 brachte weniger Durchbruch-Titel hervor als jedes andere Jahr der jüngeren Zeit, keinen klaren Sommerhit und eine wirklich fragmentierte Chartlandschaft. In einem Jahr, in dem es ohnehin schwer war, einen Hit zu definieren, reagierten die CHR-Sender, indem sie ihre Playlists mit älterer, sichererer Musik füllten. Eine Auswertung von CHR-Playlists im Sommer 2025 ergab: Nur 15 % der Songs stammten aus jenem Jahr. Zählt man 2024 dazu, kommt man gerade auf 27 %. Drei Viertel einer CHR-Playlist im Jahr 2025 stammten aus der Zeit vor 2024.
Die demografische Folge ist nicht theoretisch. Die Analyse von Radio Ink zu den Audiogewohnheiten der Gen Z vom August 2025 zeigte: Jüngere Hörer haben vielfältigere Audiogewohnheiten als je zuvor. 82 % der Gen Z zahlen laut Attest-Studie 2025 für On-Demand-Streaming. Sie hören nicht weniger Audio. Sie hören mehr – über Musikstreaming, Podcasts und YouTube. Sie wählen Radio nur schlicht nicht als ihre wichtigste Quelle, um neue Musik zu entdecken. CHR sollte das Format sein, das sie hält. Jetzt ist es das Format, das sie vertreibt.
Die Nielsen-Daten zeigen aber auch einen Lichtblick, der Beachtung verdient. Adult Contemporary, historisch nicht mit jungem Publikum verbunden, legte zwischen dem dritten und vierten Quartal 2024 bei den 18- bis 34-Jährigen um 17 % zu. Boden gewinnen die Formate, die neben ihrem etablierten Katalog in aktuelle Musik investiert haben. Die Lehre für CHR ist alles andere als subtil. Aktuelle Musik zu spielen ist die Stellenbeschreibung. Die Sender, die das als zu managendes Risiko behandeln statt als Auftrag, den es zu erfüllen gilt, sehen ihre Kernhörer gehen – und die Reichweiten bestätigen jetzt genau das.
Quellen:
• Nielsen PPM Shows Format Shifts After First Full Year of 3-Minute Qualifier, Inside Radio, https://www.insideradio.com/free/nielsen-ppm-shows-format-shifts-after-first-full-year-of-3-minute-qualifier/article_038b76c3-3f2e-43cb-b4eb-c23bc3b2456f.html
• Contemporary Hit Radio Is Dead, Irene Hulme, Content This Substack, https://contentthis.substack.com/p/contemporary-hit-radio-is-dead
• The Record: Q4 US Audio Listening Trends, Nielsen, https://www.nielsen.com/insights/2025/the-record-q4-audio-listening-trends/



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